LVZ 19./20.04.08

Grün in doppelter Hinsicht

Baugenossenschaft lässt Energiepass für Grüne Höfe erstellen / Historisches Wohnensemble ist klimafreundlich

Die Baugenossenschaft Leipzig (BGL) hat derzeit allen Grund zur Freude. Die Sanierungsarbeiten für die aus zwei Wohnkarrees bestehenden Grünen Höfe sind zur Hälfte abgeschlossen und die Mieternachfrage ist nach Unternehmensangaben sehr gut. Optisch zählen die im Jahr 1913 errichteten Gebäudeensembles direkt gegenüber der Media City in der Südvorstadt mittlerweile zu den Schmuckstücken im Viertel. Die rund 130 Wohnungen, die ihren Namen aufgrund der 2000 Quadratmeter großen parkähnlichen Innenhöfe erhielten, tragen die Bezeichnung aber noch aus einem anderen Grund. Denn der Energiepass, der spätestens ab Ende des Jahres für alle Wohngebäude im Bestand auf Anforderung von Neumietern nachzuweisen ist, attestiert den Grünen Höfen eine hohe Primär-Energieeffizienz und damit Klimafreundlichkeit. Hintergrund: Laut Bestimmungen der Bundesregierung ist der Energieausweis eingeführt worden, um den Kohlendioxid- Ausstoß von Gebäuden zu kontrollieren und zu vergleichen sowie um Maßnahmen zur Senkung zu ergreifen. Zwei Möglichkeiten gibt es, den Ausweis zu erstellen: Der Bedarfsausweis weist die Energieeffizienz eines Gebäudes und der Anlagentechnik auf der Basis einer technischen Analyse aus. Dagegen gibt der Verbrauchsausweis den klima- und leerstandsbereinigten Energieverbrauch der Gebäudenutzer bei Heizung und Warmwasser eines Dreijahres-Durchschnittsverbrauch an. „Letztere Variante zeigt mehr die Nutzergewohnheiten der Mieter an", erklärt Jens Müller, Mitarbeiter Technische Gebäudeausrüstung bei der BGL. Aus diesem Grund habe die Baugenossenschaft von einem Architektenbüro den bedarfsabhängigen Energiepass erarbeiten lassen. Müller: „Dieser ist zwar teuerer und aufwändiger, erfasst aber den Bedarf an Energie für ein Gebäude genauer und bildet somit eine gute Grundlage für dessen Vergleichbarkeit." Die Mühe hat sich gelohnt: Die rund fünf Millionen Euro Investitionskosten in die Grünen Höfe, darunter Maßnahmen zur Gebäudedämmung, zeigen Wirkung. „Der Energiepass errechnet für die Grünen Höfe einen Primär-Energiebedarf von durchschnittlich 45,4 Kilowattstunden pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche im Jahr (kWh/qm). Das ist hervorragend", freut sich Müller. Das Gebäudeensemble liegt trotz seines hohen Alters damit im grünen Bereich. Zum Vergleich: Nach der neuen Energie-Einsparverordnung muss ein neu errichtetes Gebäude bestimmte energetische Anforderungen erfüllen. So sollte beispielsweise der Primär-Energiebedarf eines Neubaus zwischen 70 und 130 kWh/qm liegen. Die Grünen Höfe unterschreiten diese Vorgabe trotz ihres hohen Alters deutlich. „Die Ergebnisse zeigen, dass es richtig war, eine hochwertige Sanierung anzustreben. Wer bei uns einzieht, wohnt nicht nur in einem schönen Ambiente, sondern einem primär-energieeffizienten Haus mit geringem Kohlendioxid- Ausstoß für Heizung und Warmwasser. Man wohnt und hilft sogar der Umwelt", so Müller.

Frank Schütze