Zitat LVZ 30.6./1.7.2007
„Etwas spät, aber wir kommen"
Sachsens älteste Baugenossenschaft startet erstes großes Sanierungsprojekt seit Jahrtausendwende
Leipzigs größter Comic ist derzeit an der Steinstraßel/Ecke Lößniger Straße zu bewundern. Er stammt vom Zeichner P. M. Hoffmann, überspannt eine ganze Hauswand und zeigt das bunte Leben, das schon bald in diesem Viertel Einzug halten soll. Beispielsweise strickt da eine Oma für ihren Enkel einen Chemie-Fan-Schal und tröstet den kleinen Fußballanhänger: "Ach Junge, Geduld ist die Mutter des Aufstiegs."
Direkt gegenüber von MDR und Media City stehen die zwei großen Häuserkarrees, deren Innenleben jetzt komplett verwandelt wird. Die Fassaden hatte die Baugenossenschaft vor Jahren saniert. Hinten rechts ist die Kurt-Eisner Straße zu sehen.
Foto: Hans-Joachim Lingelbach
Geduld brauchten auch viele Mitglieder der Baugenossenschaft Leipzig (BGL), die den Comic zu Werbezwecken an ihre Hauswand gepappt hat. Seit der Jahrtausendwende gab es keine großen Sanierungsvorhaben mehr, räumt Vorstand Ullrich Dietel ein. Das hänge mit der Geschichte von Sachsens ältester Baugenossenschaft zusammen, die 1898 gegründet wurde. "Während die meisten anderen Genossenschaften vor allem über Plattenbauten aus DDR-Zeiten verfügen, ist der Großteil unserer Bestände sehr alt und hat einen hohen Sanierungsaufwand." Durch den Verkauf von 2300 Wohnungen an die Wiener Conwert AG (die LVZ berichtete) habe das Unternehmen aber wieder Spielräume gewonnen. "Die Osterreicher sind seriöse Partner und sanieren in Schönefeld vorbildlich", lobt er.
Nun könne die BGL ihre eigenen Potenziale heben, so Dietel. „Wir beginnen mit einer der schönsten Anlagen, die wir in der Südvorstadt haben." Es geht um zwei Häuserkarrees zwischen der Altenburger und Lößniger Straße, die für fünf Millionen Euro in die "Grünen Höfe Südvorstadt" verwandelt werden. Erbaut um 1913, verfügen sie über Fassaden mit großen Erkern, Uhrenmotiven und klassischen Figuren. Die Treppen und Eingangstüren sind durch Holztäfelungen verbunden. "Das Beste sind jedoch die jeweils 2000 Quadratmeter großen Innenhöfe mit vielen schönen Linden. So eine ruhige Oase findet sich in der Lage sonst kaum."
Mit Fördermitteln wurden die Fassaden und Dächer der beiden Karrees - direkt gegenüber vom MDR-Gelände und der Media City - bereits Mitte der Neunzigerjahre herausgeputzt, erklärt Finanzvorstand Ralf Schädlich. "Innen blieb aber meist alles beim Alten, teilweise gibt's da noch Toiletten auf der halben Treppe oder das Bad fehlt. Deshalb stehen heute 145 der 292 Wohnungen leer."
Nach Entwürfen der Leipziger Architekten Sahlmann & Partner werden nun 130 Wohnungen auf modernsten Stand gebracht, die Grundrisse verändert, große Bäder mit Naturlicht und Fliesenspiegeln eingezogen. "Die Treppenhäuser werden komplett denkmalgerecht rekonstruiert. In den Höfen legen wir Grillplätze und Sitzecken an. Das Grün unter den Bäumen wird zum Teil naturnah mit Schilf gestaltet", schwärmt er. Das nördliche Karree; wo die Arbeiten schon mit Volldampf laufen, soll im Oktober fertig sein, so Dietel. "Das andere folgt 2008. Wir kommen etwas spät, aber wir kommen. Und werden damit langfristig erfolgreich sein."
Jens Rometsch